Spezialseminar: Ego-State-Therapie – ein
psychosomatischer Ansatz: Der Umgang mit Kampf-, Flucht- und
Erstarrungsreaktionen.
Ziel des Workshops ist es, Ego-State-Therapeut:innen eine fundierte
Orientierung darüber zu vermitteln, wie eng Ego-States mit der Physiologie der
Bedrohung verknüpft sind und wie sie sich im Dienste des Überlebens entwickelt
haben. Der Schwerpunkt dieses Workshops liegt daher auf den folgenden zentralen
Aspekten:
1. Erwerb praktischer Erfahrung mit der Koppelungsdynamik
in der Ego-State-Therapie
Die Teilnehmenden erlernen die zentrale Bedeutung der Koppelungsdynamik
in der Ego-State-Therapie sowie den therapeutisch angemessenen Umgang damit.
Dazu gehört insbesondere die Arbeit mit Ego-States, die von traumatischen
Erlebnissen „überflutet“ sind, sowie das Entkoppeln von Ego-States aus
Zuständen der Dissoziation, des Erstarrens (Einfrierens) und der
Unbeweglichkeit.
2. Überlebens- und Abwehrreaktionen in spezifischen
Ego-States
Thematisiert werden Überlebens- und Abwehrreaktionen, die mit einzelnen
Ego-States verbunden sind, insbesondere der Bedrohungsreaktionszyklus von
Kampf, Flucht und Erstarren. Der Fokus liegt darauf, wie diese Reaktionen auf
physiologischer Ebene innerhalb spezifischer Ego-States wiederhergestellt und
wie Erstarrungsreaktionen vollständig integriert werden können.
3. Begleitung von Ego-States bei innerer Versteifung und
Zusammenbruch
Ego-States sind im Kontext traumatischer Erfahrungen häufig durch
intensive innere Versteifung gekennzeichnet und können in der Folge in einem
Zustand des Zusammenbruchs verkapselt sein. Der Workshop konzentriert sich
darauf, Wege einer achtsamen Begleitung und Unterstützung von Ego-States durch
diese Zustände hindurch aufzuzeigen, sie gegebenenfalls aus Unbeweglichkeit und
Erstarrung zu lösen und Resilienz auf der Ebene der Gesamtperson der
Klient:innen wiederherzustellen.
4. Wiederherstellung von Ego-State-Grenzen und Förderung
von Integration
Infolge traumatischer Erfahrungen sind Ego-State-Grenzen häufig
beeinträchtigt oder aufgehoben. Es werden Methoden und Interventionen
vorgestellt, um diese Grenzen wiederherzustellen und optimale Flexibilität,
Flow und Integration zu fördern. Von besonderer Bedeutung ist dabei das
Verständnis verschiedener Wahrnehmungskanäle (z. B. visuell, kinästhetisch,
taktil, emotional sowie auf Ebene der Verhaltensreaktionen) und deren
Verbindung zu traumatischen Erfahrungen. Das SIBAM-Modell nach Peter Levine
wird vorgestellt und erläutert, wie die Koppelungsdynamik eingesetzt werden
kann, um traumatische Erlebnisse wieder zu integrieren.
Das Hauptaugenmerk des Workshops liegt somit auf der Auflösung
traumatischer Erfahrungen mithilfe spezifischer Ego-States und Introjekte. Der
Workshop ist im Vorlesungs‑Demonstrations‑Praxis‑Format konzipiert. Die
Teilnehmenden erwerben praxisnahe Techniken, die sie unmittelbar in der Arbeit
mit traumatisierten Klient:innen anwenden können.